Fazialisparese: Was ist das – und was können Sie selbst tun?
Wenn plötzlich eine Gesichtshälfte nicht mehr mitmacht….
Das Auge schließt nicht richtig, der Mundwinkel hängt, ein Lächeln gelingt nur halb –, ist das für Betroffene und ihre Angehörigen erst einmal ein Schock. Die gute Nachricht: Eine Fazialisparese lässt sich in den meisten Fällen gut behandeln, und Sie können selbst viel dazu beitragen. Hier erfahren Sie, was dahintersteckt, wie wir als Logopädie helfen und welche Tipps Sie schon heute zu Hause umsetzen können.
Was ist eine Fazialisparese?
Der Gesichtsnerv steuert die gesamte Mimik einer Gesichtshälfte. Fällt er aus, spricht man von einer Fazialisparese. Meist ist die Ursache nicht eindeutig zu klären – häufig steckt eine vorausgegangene, oft unbemerkte Virusinfektion dahinter. Seltener liegen konkrete Auslöser vor, etwa eine Borreliose nach Zeckenbiss, eine Gürtelrose am Ohr, eine Verletzung, ein Tumor oder eine Operation im Kopf-Hals-Bereich.
Typische Anzeichen sind ein hängender Mundwinkel, ein nicht ganz schließendes Auge, eine glatte Stirn ohne Falten, ein verändertes Geschmacksempfinden oder Schwierigkeiten beim Sprechen und Trinken. Bei den meisten Betroffenen bessert sich die Lähmung mit der Zeit von selbst, besonders wenn früh ärztlich behandelt wird. Manchmal bleibt jedoch eine Restschwäche oder es entstehen ungewollte Mitbewegungen – zum Beispiel, dass sich beim Lächeln automatisch das Auge mitschließt. Hier setzt die logopädische Therapie an.
Was macht die Logopädie?
Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Bei der Fazialisparese kümmern wir uns um die gesamte Gesichts- und Mundmuskulatur – nicht nur ums Sprechen. Zu Beginn prüfen wir genau, welche Bewegungen noch möglich sind und wo die Schwächen liegen. Darauf aufbauend erarbeiten wir gemeinsam ein individuelles Übungsprogramm, das der Muskelschwäche entgegenwirkt, Sprechen und Schlucken unterstützt und die Entstehung ungewollter Mitbewegungen möglichst verhindert.
Neben gezielten Bewegungsübungen setzen wir dabei je nach Befund auch auf sanfte Reiz- und Stimulationsverfahren, etwa Massage, Vibration oder Temperaturreize – dazu gleich mehr. Wichtig ist uns immer die enge Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt: Die medizinische Behandlung, gerade zu Beginn, liegt in ärztlicher Hand, wir begleiten parallel und darüber hinaus.
Was Sie konkret selbst tun können:
Zwischen den Therapieterminen können Sie selbst viel bewirken.
Am wichtigsten:
Auge schützen. Schließt das Auge nicht vollständig, trocknet es aus. Bei Beschwerden mit dem Lidschluss bitte direkt ärztlich abklären lassen!
Reize setzen. Bevor Sie mit den Bewegungsübungen beginnen, hilft es, das Gesicht „aufzuwecken":
Streichen Sie mit den Fingern sanft über die betroffene Seite, in Längs- und Querrichtung.
Klopfen und zupfen Sie leicht mit den Fingerspitzen über Wange, Mundwinkel und Lippen.
Fahren Sie mit einer elektrischen Zahnbürste (ausgeschaltet oder auf niedrigster Stufe) sanft über Wange, Lippen und Stirn (Augenlid bitte aussparen!) – die Vibration weckt die Muskulatur und das Gefühl in der Haut.
Ein in ein Tuch gewickelter Eiswürfel oder ein Stück Gurke aus dem Kühlschrank kurz über die betroffene Seite geführt, setzt einen weiteren guten Reiz.
Diese Reize eignen sich gut als kurze „Aufwärmphase" vor den eigentlichen Übungen.
Üben, üben, üben:
….. und geduldig bleiben!
Die Rückbildung kann Wochen bis Monate dauern. Ein zäher Verlauf heißt nicht, dass nichts passiert – regelmäßiges Dranbleiben lohnt sich. Bei neuen Beschwerden oder Stillstand: Rücksprache mit Arzt und Logopädie halten.
Novafon - Therapie
Wir ergänzen unsere Behandlung um eine Therpie mit dem Novafon, ein Schallwellen-Massagegerät, das mit sanften Vibrationen arbeitet. Es wird direkt auf die Haut aufgesetzt und stimuliert Muskulatur, Durchblutung und das Gefühl in der betroffenen Gesichtshälfte – ähnlich wie die Vibration der elektrischen Zahnbürste, nur gezielter dosierbar. Wir setzen es als tolle Ergänzung zu den Übungen ein, nicht als Ersatz für aktives Training – die eigene Bewegung bleibt der wichtigste Baustein der Therapie!
Zum Schluss
Eine Fazialisparese ist belastend, aber in den meisten Fällen gut behandelbar. Mit konsequentem Augenschutz, regelmäßigen Reizen und Übungen sowie etwas Geduld lässt sich der Heilungsprozess spürbar unterstützen. Bei Fragen zu Ihrer individuellen Situation sind wir gerne für Sie da.